Zeitstrahl Latexstrümpfe

By agnahtstrumpf_admin / On Mar.17.2013 / In Massgeschneiderte Latexstrümpfe mit echter Naht / Width 0 Comments

Die Geschichte hinter diesen Latextstrümpfen

Strümpfe in Polyamid – Kunstfaser kann ich nun mit gewisser Routine auf Maß anfertigen, auch wenn einige Sonderwünsche manchmal Kopfzerbrechen und eine Menge Ausschuss zur Folge haben. Nach eben der Kunstfaser kam die Zeit für Strümpfe aus einem Naturprodukt. Latex! Oder auch Naturkautschuk genannt. Ein Material, das vom Namen her für manche nach Fetisch duftet. Der Duft ist weit verbreitet – weiter, als man vermutet, denn nicht umsonst ist die Palette der erhältlichen Latexstrümpfe so riesig. Und entgegen der vielleicht vorhandenen Vermutung, dies sei ein gar furchtbares Material für Menschen mit besonderen Vorlieben, es ist ganz anders, als man denkt. Angenehmer.

Außerdem: verruchte Latexstrümpfe waren gestern – heute halten sie Einzug auf den renommierten Laufstegen der Welt.

Was es aber trotz all der Strumpfvielfalt in Latex nicht gab, das sind Latexstrümpfe mit einer wirklich genähten Naht. Dies wird schon seinen Grund haben, dachte ich mir. Bis ich mich in den ersten Tagen des Jahres 2012 überreden ließ, sofort einen Nähversuch zu starten. Als Versuchsobjekt mußte auf die Schnelle ein Latexhandschuh herhalten. Ein Stück herausgeschnitten - der Länge nach geteilt, ab ging es damit auf die alte Strumpfnähmaschine.

Die Augen standen begeistert offen, als die Naht an das Latex gezaubert war! Eine saubere und haltbare Naht. Der ersten Versuch verlangte nach mehr. Kaum fertig mit dem eiligen Test bestellte ich ein Stück schwarzer Latexmeterware in 0,4 mm.

Der Rest ging wie geschmiert (oder weil es Latex ist, wie gepudert). Ein Schnittmuster angepasst und nach Lieferung des Latex einen Probestrumpf genäht. Treffer im ersten Versuch.

Ein Treffer mit kleinen Schönheitsfehlern, denn die Strumpfnähmaschine, einst zum Nähen von dünnen Nylons geschaffen, wollte das 0,4 mm Latex nicht immer so exakt nähen.

Einmal mit dem Latexvirus infiziert, wurde noch am selben Abend schwarze Latexmeterware in 0,25 mm geordert. Unter die Nadel kommt natürlich nur beste englische Meterware. Das Gefühl sagte mir: das wird prima.

So verlief die Geschichte auch... Latextstrümpfe mit Naht in 0,25 mm Latex lassen sich gut nähen. Die Anprobe zauberte ein überaus zufriedenes Lächeln auf die Gesichter, die zunächst vor Angst, die guten Stücke zu zerstören, angespannte Züge trugen. Das wars – so sollten sie aussehen. Nach einige Veränderungen durften die Latexstrümpfe sich bei den beiden Probeträgerinnen bewähren.

Um eine tadellose Paßform zu erreichen, sind diese Latexstrümpfe natürlich auch auf die individuellen Maße angepaßt.

Ihre traumhaft feine Nahtlinie macht sie unverwechsellbar! Klassisch einfach. Eine filigrane Nahtleiter auf der Rückseite paßt wunderbar zum dünnen Latex am Bein. Am Bein zeigt sich mit diesen Strümpfen genau so eine Naht, wie bei echten Nahtnylons.

Die Naht hält die Strümpfe zusammen. Rundherum trübt keine doppelt gelegter Klebestelle den visuellen Eindruck am Bein.

Januar 2012 - März 2012

Nachdem die Wahl auf 0,25 mm Latex gefallen, der erste Teststrumpf genäht und anprobiert ist, wird eine ausreichende Menge Meterware in England bestellt. Die Freude über das geglückte Strumpfwerk ist groß. Doch wie das Leben so spielt - natürlich - wenig später geht der erste Strumpf bei einer nochmaligen Anprobe entzwei. Trotzdem: Wir sind optimistisch, das Latexstrümpfe mit richtiger Naht funktionieren. Urteil zur ersten Beschädigung des Strumpfes: gemeinschaftliche Ungeduld im Zusammenspiel mit zerstörerischem Einsatz von Fingernägeln! Zu dieser positiven Einschätzung gelangen wir nach dem ordentlichen Herumziehen an Naht & Strumpf.

Aus dem noch vorhandenen Latex entsteht ein vollständiges Paar und mit diesem die ersten Fotos. Dieses Paar hält.
Die Meterware ist endlich da! Das nächste Paar im schönen Schwarz entsteht. Um ihnen etwas mehr Wiederstandskraft zu geben, bekommen sie an der Innenseite der Naht eine Verstärkung. Die Verbesserung ist zu bemerken. Damit läßt sich schon was anfangen.

Aus dem Freundeskreis trifft der erste Strumpfwunsch in Latex ein. Das erste Wunschpaar entsteht recht bald. Die Begeisterung für die richtige Naht ist groß. Wir geben die Strümpfe mit der Beschwörung weiter, es sei zunächst ein Probeexemplar und schwören auf schonende Behandlung ein.


April 12:

Ein weiterer Wunschzettel erreicht die Latexschneiderei: Schwarze Latexstrümpfe mit roter Naht. Auch diesem Wunsch kann entsprochen werden.

ein Paar transparente Strümpfe mit Ösenschnürung auf der Rückseite entsteht. Es kommt bei einem Fotoshooting zum Einsatz.


Mai 12:

Eine weitere Testerin möchte am Versuch teilnehmen. Auch diesem Wunsch wird entsprochen, denn viele Urteile sind gut. Jetzt wird zunächst getestet und probegetragen.


August 11:

Die vertauenswürdige Testerin äußert Bedenken wegen der Haltbarkeit der Naht, kommt es unter ungünstigen Umständen auf das Zusammentreffen von Unerfahrenheit, Ungeduld und Latexstrümpfen. Eine geänderte Version der Verstärkung wird nach einigen Gedankenspielen umgesetzt. Die Naht wird an der Innenseite hinterklebt. Das ergibt bei einer Latexstärke des Strumpfes von 0,25 mm in Summe an der Naht 0,5 mm Latexstärke. Für den Test reicht ein kleines Latexteil - dieses reist für die praktische Erpobung nach Schweden ;). Sie bestehen die ersten Tests erfolgreich.

Nach einem weiteren Hinweis eines Testers wird das Schnittmuster in Zukunft variiert und in einzelnen Beinpartien ein wenig weiter gestaltet.


September 2012:

Der Wunsch nach eine maßgeschneiderten Leggings trifft ein. An ihr muß sich besonders im Höschenteil die hinterklebte Naht beweisen. Sie tut es - sie hält.

Die am stärksten beanspruchten Teile der Nahtunterstützung sind im Bereich des Ballens und der Ferse. Mechanische Einwirkung in Verbindung mit Zeit und Feuchtigkeit im Inneren wird als ungünstige Konstellation  vorhergesehen. Das möchten wir herausfinden und setzen eine weitere harte Testreihe an: mehrere Latexsöckchen und Socken müssen sich im Alltag beweisen. Der leichteste und zugleich schön anzusehende Einsatz: in den Ballerinas der kritischen und erfahrenen Testerin - der härteste Alltag heißt: ganze Tage in mind. 10-Loch Doc Martens aushalten. Alltag soll so aussehen und nicht nur kurzzeitiges Tragen überstehen. Vielleicht sind diese Vorgaben auch zu hoch gegriffen? Weshalb diese Hürde? Seit Latextstrümpfe alltagstauglich geworden sind, sollten meine Nahtstrümpfe auch möglichst lange im Alltag aushalten.


Oktober 2012: 

Wie befürchtet kam es beim Stiefeltest nach einiger Zeit beim Zusammenspiel von Feuchtigkeit und Bewegung des Fußes zu ersten Schwächen. Es ist so, am Ballen und Ferse hält die Verklebung am Rand nicht optimal. Dies passiert allerdings erst nach mehrmaligem Tragen über Zeiten von 12 Stunden und dem Laufen von mehreren Kilometern.Zugegeben, es sind schon harte Bedingungen, doch die Strümpfe sollen schon robust sein und mehr aushalten.Was nun? Ich suche nach einer Alternative.
Die neue Version der in Schweden erprobten Nahtverstärkung wird in weißen Latexstrümpfen für das Schneewittchenshooting eingearbeitet. Durch ein technisches Problem gelingt das Shooting nicht optimal - die weißen Latexstrümpfe bewähren sich allerdings bestens. Auch das Anziehen im dunklen Wald funktioniert.

ich versuche eine Lösung zu finden, welche die Nahtverstärkung am Fußteil dauerhaft am Latex hält. Dabei kommen allerlei Varianten zum Einsatz. Was auf keinen Fall an Strumpf und Haut gelangen soll, sind unbedacht ausgewählte Klebstoffe! Manche Varianten bewähren sich gut, doch wirklich zufrieden bin ich nicht, bis eine Lösung umgesetzt wird, die zunächst nicht so an den Strumpf sollte. Als zu einfach erschien sie. Als das Ergebnis vor mir liegt frage ich mich ernsthaft: warum denn nicht gleich so ;-). Nach dem Reaktivieren schlummernden Wissens aus Studienzeiten wird noch ein 1 -Tüpfelchen hinzugefügt.

Es ist Mitte Dezember 2012:

Bis zur Verkündigung des Triumphs wird nochmals probegetragen…

 

Januar 2013:

ein Probeexemplar hat sich die 50 - Kilometermarke bei einer Gesamttragedauer von 265 Stunden erlaufen! Die positive Nachricht: die Verklebung der Nahtverstärkung hält der Feuchtigkeit im Zusammenspiel mit der mechanischen Belastung allerbestens stand. Keinerlei Schwachstellen! YIPEEEEEEE!

Es ist Winter, es liegt Schnee. Auch Streugut möchte es warm haben, sucht sich seinen Weg ins Warme und sticht mit seinen spitzen Ecken ins Latex-Versuchsobjekt. Nach 60km ist der Versuch vorbei. Die Nahtverstärkung hält allerbestens.

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