Erkennungszeichen für echte Nahtnylons

By agnahtstrumpf_admin / On Jan.21.2013 / In / Width 0 Comments

Gute Nahtstrümpfe lassen sich mit einem guten Wein vergleichen. Beide brauchen etwas länger in der Entstehung und verlangen währendessen eine besondere Aufmerksamkeit. Ein guter Wein umschmeichelt den Gaumen, der edle Strumpf umfließt sanft und das Bein. Der eine sticht durch einen sich von der Masse unterscheidenden Geschmack, seinen besonderen Geruch und seine charakteristische Farbe hervor- die echten Nahtnylons bestechen durch ihre einzigartige Haptik, ihre Feinheit am Bein und ihren visuellen Eindruck. Beide werden von Genießerinnen und Genießern geschätzt und mit sinnlichem Empfinden blind aus der Masse heraus erkannt.

Echt oder nicht- das ist hier die Frage!

Mit einigen prüfenden Blicken läßt sich meist schnell feststellen, ob der angepriesene Nahtstrumpf wirklich das Attribut echt verdient. Hier ein kleiner Führer auf dem Weg zu den Echten Nahtnylons:

Wichtige Merkmale

  1. Abschlußloch im Doppelrand: das markanteste Kennzeichen der echten Nahtstrümpfe. Es entsteht beim Zusammennähen des Strumpfes. Ist es nicht vorhanden, dann kann es auch kein echter Nahtstrumpf sein! Wohlbemerkt- bei den heute hergestellten Nahtstrümpfen. In früheren Jahren boten einige Hersteller auch Nahtstrümpfe ohne Abschlußloch an.

 

  1. Die typische Naht muß von der Strumpfspitze bis zum Umschlagpunkt des Doppelrandes gehen.

 

  1. Der Doppelrand ist dunkler als der "Reststrumpf" und wie die Bezeichnung es vermuten läßt, hier ist das Nylon doppelt gelegt. Unterhalb des Doppelrandes schließt sich noch ein kleines Stück Strumpf an (Doppelrandvorstoss), das etwas heller als der Doppelrand ist, jedoch immer noch dunkler, als der Strumpf.

 

  1. Verstärkung der Fußsohle und Hochferse: hier ist der Strumpf mit Extragarn verstärkt. So soll der Strumpf in diesen Bereichen widerstandfähiger gegen Beschädigungen gemacht werden.

 

  1. Das Garn, ein Monofilament aus 100% Nylon= 0% Lycra oder Elasthan!

 

Diesen Aufbau weisen alle echten Nahtnylons auf, die heute noch produziert werden. Es gibt keine Ausnahmen.

Und was ist ein Monofilament oder Monofilgarn?

Dieses besteht aus einem endlosen Einzelfaden. Es steht im Gegensatz zu den heute für Strümpfe oder Strumpfhosen verwendeten Garnen aus mehreren Einzelfäden- den Multifilamanten oder den texturierten Garnen.
Nahtstrumpf mit Strumpfnaht und Abschlußloch im StrumpfrandWährend sich eine heute verkaufte Strumpfhose bzw. Strumpf etwas "ziehen" läßt, ist der klassische Nylonstrumpf ein ziemlich starres Maschenwerk. Daher wird er schon bei der Fabrikation mit einer "anatomischen" Paßform gefertigt.
Das bedeutet, während des Wirkens der Strümpfe ist je nach gefertigtem Beinbereich eine unterschiedliche Nadelanzahl am Entstehen des Strumpfes beteiligt. Es ist leicht vorstellbar, daß diese Tatsache einer nicht ganz einfachen Steuerung bedarf. Wohlgemerkt mechanisch umgesetzt, denn die alten Cottonmaschinen wurden zu einer Zeit gebaut, als es noch keine SPS- Steuerungen für Maschinen gab.
Die heutigen Rundstrickautomaten für die Strumpffabrikation fertigen die Beinlinge als einfache Schläuche mit einer gleichbleibenden Nadelzahl. Eine Anpassung an die Beinform der Trägerin/ des Trägers (Wolford Strumpfhose für den Mann ;-) ) geschieht heute über das unterschiedliche Straffen des Fadens, meist jedoch nur durch das Fixieren auf den altbekannten Formen aus Stahl bzw. Aluminiumlegierungen.
Ein signifikanter Unterschied der echten Nahtstrümpfe im Vergleich zu "modernen" Feinstrumpfwaren besteht im verwendeten Garn. Es wird Garn aus reinem Nylon (Polyamid) verwendet- ein so genanntes Monofil-Garn. In einfachen Worten beschrieben besteht es aus einem einzigen Faden, nicht aus mehreren verdrillten Einzelfäden, wie bei modernen Strumpfwaren üblich.
Das verwirkte Garn wurde nicht mit anderen elastischen Garnen veredelt, um z.B. Elastizität und optimale Paßform zu erreichen (Lycra©, Elasthan© usw).
Minderungsmuster nah
Mit einem geübten Blick kann die Kundige/ der Kundige die echten Nahtstrümpfe von den Strumpfwaren mit Ziernaht unterscheiden. Schauen wir der Trägerin auf die bestrumpften Waden, ist bei den Echten so z.B. das "Minderungsmuster" (Deckblümchen) zu erkennen. (die kleinen Punkte rechts und links neben der Naht)

Maschenbild

Die Nahtstrümpfe bieten durch ihre Wirkart ein traumhaft gleichmäßiges und glattes Maschenbild. Die Wirkart der meisten Nahtstrümpfe nennt man "Plain Knit", das bedeutet in einfachen Worten, die Maschen liegen in einer Reihe hintereinander. Dadurch wirken die Strümpfe besonders fein und elegant.
 
Im HochfersenLaufe der Zeit entwickelten sich verschiedene
Hochfersenformen. Auf der Grafik sehen Sie eine Auswahl vom Hochfersen. In der Kombination gab es breite sowie schmale Fußbetten. Die hier skizzierten Hochfersenformen stellen nur einen Auszug aus der ehemals hergestellten Ausführungen dar. Es existierte eine Vielzahl von Abwandlungen, so die angesetzten Schmucksteine oder die Zierränder.
Nahtstrümpfe gab es aber auch ohne Hochferse und Sohlenverstärkung.

Und wo muß die offene Seite des Abschlußloches nach dem Anziehen sitzen?

Diese Frage beschäftigt jede Frau irgendwann... die Antwort darauf ist einfach: innen am Bein. Wieso denn das? wird die berechtigte Frage lauten. Die Strumpfnaht hat eine Oberseite und eine Unterseite. Die Obernaht sind simple Längstiche und die Unternaht wird aus den überwendelten Fäden gebildet. Die Nahtunterseite ist quasi die Nahtversäuberung und diese sitzt innen im Strumpf. Beim Nähen des Strumpfes entsteht das Abschlußloch so, daß es dann im Doppelrand an der Beinseite liegt.

Muß die Naht immer hinten sein?

Klare Antwort: Nein. In ihrer Frühjahres/Sommerkollektion brachte die amerikanische Gotham Hosiery Company im Jahr 1950 ihre "Cobwebby" Nylons auf den Markt. Das besondere daran war, daß diese Nahtstrümpfe keine Naht an der Rückseite hatten. Ihre Naht befand sich vorne am Strumpf. Auf dem Photo zu sehen ist das Model Wendy Russell (später Wendy Russell Reves). Diese Aufnahme ist einem amerikanischen Magazin entnommen.

Pressetext vom März 1950: "New York model wears these seam-inthe-front stockings shown at Gotham's Spring and Summer fashion show in New York. The cobwebby nylons have a delicate black line bisecting the full length from top to toe."

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