Herstellung von Nahtnylons

By LatexLisel / On Jan.21.2015 / In Herstellung Nahtnylons Nylons / Width 0 Comments

Wie entsteht ein echter Nahtstrumpf?

In einem fertigen Nahtstrumpf steckt eine Menge handwerkliches Können, verbunden mit Präzison und Beachtung für's Detail. Bevor sich die feine Wirkware an Deinen Beinen zeigt, hat sie eine besondere Aufmerksamkeit erfahren. Eine Aufmerksamkeit, welche Deinem Bein einen außerordentlichen Auftritt verschafft- sie also lang vorbereitet exklusiv in Szene setzt.

Echte Nahtstrümpfe werden immer auf einer Cottonmaschine hergestellt. Übliche Maschinen waren/ sind bis max. 20 Meter lang, wiegen bis zu 15 Tonnen und bestehen aus ca. 200.000 Einzelteilen. Je nach Maschinenausführung werden auf ein Mal bis zu 36 Strümpfe hergestellt. Auf allen Fonturen laufen parallel die gleichen Arbeitsgänge ab. Verlassen die Rohstrümpfe die Maschine, haben sie zunächst noch die Farbe Weiß. (siehe Bild 1 unten)

Die heute erhältlichen Nahtstrümpfe sind ausnahmslos auf Cottonmaschinen älteren Baujahres gewirkt. Meist sind diese Maschinen sind in den 50er Jahren gebaut worden und haben die Verschrottungswellen in den 60er Jahren überstanden. Nach dem Aufkommen der nahtlosen Damenstrümpfe wurden diese, auch damals schon recht teueren Wirkmaschinen für die Strumpfindustrie nutzlos, da der nahtlose Stumpf eine völlig andere Technologie erfordert.

Der Cottonmaschinenbau hat bis heute überlebt. Die mechanische Steuerung über Kurvenscheiben und Steuerketten wich allerdings einer zeitgemäßen SPS- Steuerung (speicherprogrammierbare Steuerung). Doch für die Feinstrumpfproduktion wurde seit vielen Jahrzehnten keine Maschine mehr gebaut. Auf den heute produzierten Cottonmaschinen werden andere textile Flächenwaren gewirkt.Dennoch braucht keine Frau Angst davor zu haben, keine Nahtstrümpfe mehr bekommen zu können, sollten die alten Maschinen eines Tages nicht mehr funktionieren. Es bedarf "nur" eines willigen Investors und es ließe sich eine neue Cottonmaschine bestellen. Mit ihr würden sich all die Vorteile moderner Steuerungstechnik bieten: schneller Wechsel zwischen der Grössen und Fersenformen, ein Wechsel in den Formen der Fussbetten, schnellere Taktzeiten... .

Auf der Seite von Touchable/ England ist die Herstellung mit zahlreichen Abbildungen beschrieben. Dies alleredings nur in englischer Sprache.

Auf den Technik- Seiten des Web Museums "Deutsches Strumpfmuseum" wird anhand eines alten Werbefilms der Firma ARWA (A. Robert Wieland Auerbach) die Herstellung von Nahtstrümpfen gezeigt.

  • Ca. 600 Nadeln sind an der Entstehung eines Strumpfes beteiligt
  • Die Nadelstärke beträgt 0,15 mm
  • Ein Strumpf besteht aus schätzungsweise 2 Millionen Maschen oder 5.000 Metern Garn
  • Das Wirken von Feinstrumpfwaren war und ist sehr Temperatur- und Luftfeuchteempfindlich
Eine Cottonmaschine ist vereinfacht ausgedrückt eine Flachstrickmaschine, auf der Strümpfe mit einer "anatomischen" Paßform gefertigt werden. Wobei die Bezeichnung "Strickmaschine" vollkommen falsch ist. Richtiger ist die Bezeichnung "Wirkmaschine".
Worauf begründet sich der Unterschied zwischen dem Stricken und dem Wirken? Beim Stricken ist immer nur eine Nadel an der Maschenbildung beteiligt- beim Wirken sind es mehrere gleichzeitig. Nahtstrümpfe alter Herstellungsweise werden gewirkt- moderne Strumpfwaren sind im Gegensatz dazu immer Strickware.
Das Fertigen in anatomischer Paßform bedeutet, während des Wirkens der Strümpfe ist je nach gefertigtem Beinbereich eine unterschiedliche- also veränderliche- Nadelanzahl am Entstehen des Strumpfes beteiligt. Das Produkt der Cottonmaschine ist folglich kein fertiger Strumpf, sondern ein textiles Flächengebilde, welches die Form eines Beines hat. (Der Techniker versteht das Wort "Abwicklung" eines Beines besser)
Im Englischen bezeichnet man die Nahtstrümpfe als "Fully fashioned seamed stockings"- übersetzt bedeutet dies: "genähter Strumpf mit Passform".

Wirken

Das Wirken beginnt am "Mäusezahn" des Doppelrandes. Das Auswirken des Strumpfes erfordert das mehrmalige Anhalten der Cottonmaschine. Die Fertigung der "Rohstrümpfe" erfolgt Maschenreihe für Maschenreihe parallel und synchron auf allen Fonturen (Nadelköpfen). Das Wirken startet also auf allen Fonturen gleichzeitig und es ist ebenso zur gleichen Zeit beendet. Der Strumpfrohling wird nach dem Wirken an der Cottonmaschine auf einer speziellen Rolle aufgewickelt.
Während die markante Naht erst nach Verlassen der Cottonmaschine an den Strumpf kommt, werden das Fussbett und die Hochferse im laufenden Herstellungsprozess eingearbeitet, dazu wird ein zusätzlicher Faden in den Strumpf eingelegt.
Das Fussbett kann schmal oder auch etwas breiter ausgeführt sein. Auch bei der Hochferse sind unterschiedliche Formen erhältlich. Man spricht hier auch von einer Zierferse. Fussbett und Hochferse hatten eigentlich den Zweck, den Strumpf (mit Bein) fester im Schuh zu halten aber auch den Strumpf strapazierfähiger zu gestalten.
Die Strumpfhersteller machten sich bei der Gestaltung der Hochferse einen Effekt der optischen Täuschung nutzbar, der das Bein schlanker und länger erscheinen liess. Die Naht ist hauptsächlich verantwortlich für das schlanker wirkende Bein. Nun konnte jedoch durch die verschiedene Gestaltung der Hochferse der Fesselbereich noch schlanker wirken. Ohne Zweifel ein Hauptgrund für die erotische Anziehungskraft der Nahtstrümpfe.
Die Einrichtung der Cottonmaschinen auf andere Fersenformen war und ist jedoch aufwendig. Ein ungleich höherer Zeitaufwand als bei heutigen rechnergesteuerten Rundstrickautomaten für die Strümpfe und Strumpfhosen.
 
 
Cottonmaschine TEXTIMA
Maschenbildung auf der Cottonmaschine Abbildung 1: TEXTIMA Cottonmaschine zur Strumpfherstellung Quelle: Deutsche Fotothek; Creative Commons
 

Nähen

 
Vor dem Nähen wurden/werden die Strümpfe z.B. im Fersenbereich oftmals "gekettelt". (siehe Bild 2) Dieses Ketteln macht die Strümpfe an dieser Nahtsstelle haltbarer.
Erst einer der nachfolgenden Arbeitsschritte näht das Ausgangsmaterial zusammen. (siehe Bild 3) Dabei entsteht die typische Naht an der Strumpfrückseite sowie das Loch im Abschlussrand ("Keyhole" im Englischen genannt). Diese Naht hält also den Strumpf erst zusammen. Übliche Nähte entstehen auf 2-oder 3- Faden-Nähmaschinen. Das Nähen beginnt an der Fußspitze und wird bis zum Doppelrand fortgesetzt. Allgemein üblich war/ ist es, die Lagen nicht doppelt gelegt zusammenzunähen, sondern die Lagen ab Beginn des Doppelrandes einlagig zu nähen. Das funktioniert nur bis zu einem gewissen Punkt, dann muß das Nähen beendet werden. Dies ist der Grund für das Entstehen des Abschlußlochs.
Würden wir versuchen, diese Naht aufzutrennen, wäre der Strumpf als Kleidungsstück kaum mehr geeignet, da er wieder in der Ausgangsform vorliegt.
Die Nahtnylons werden bis heute mit der Hand genäht. Das bedeutet, jeder einzelne Strumpf wird mit der Hand durch die Nähmaschine geführt.
 
Bild einer Näherin an einer Strumpfnähmaschine
Abbildung 2: Näherin an einer StrumpfnähmaschineQuelle: Firmenpublikation ARWA Feinstrumpfwerke
Abbildung 3: Teil einer Strumpfnähmaschine. Linke Bildseite: Die beiden Scheiben in der Bildmitte transportieren den Strumpf an der Nadel vorbei. Rechte Bildseite: Nahtanfang eines Nahtstrumpfes an der Fußspitze
 

Färben & Fixieren

In nachfolgenden Arbeitsschritten wird der Strumpf gefärbt. Sehr wichtig ist der Arbeitsschritt des Fixierens. (siehe Bild 4) Dabei wird der Nahtstrumpf über ein flaches "Bein" aus Metall gezogen. Dieses Bein wird mittels Dampf oder auch elektrisch beheizt.. Dabei erhält unser Strumpf seine endgültige Formgebung, des weiteren werden die Maschen stabilisiert. (dennoch bleiben Laufmaschen und Ziehfäden die Hauptfeinde)
Nach einer Qualitätskontrolle können die Strümpfe nun verpackt und an die Kundinnen/ Kunden ausgeliefert werden. (siehe Bild 5) Packen wir zu Hause die Strümpfe aus, fällt uns natürlich die Naht und das verstärkte Fussbett mit Hochferse auf.
Unverändert hoch ist heute noch immer der Aufwand der notwendig ist, einen Nahtstrumpf entstehen zu lassen. So ist auch der verhältnismäßig hohe Preis für ein Paar Nahtstrümpfe erklärbar. Relativ hoch ist auch die Ausschußquote in der Produktion, da der Herstellungsprozeß zahlreichen Einflußfaktoren unterliegt. Diese Schwankungen im Produktionprozeß sind für die Kundin an Kleinigkeiten durchaus zu bemerken. So sind Strümpfe einer identischen Größe nicht immer gleich lang.
In einem fertigen Nahtstrumpf steckt also eine Menge handwerkliches Können, verbunden mit Präzison und Beachtung für's Detail. Bevor sich die feine Wirkware an Deinen/ Ihren Beinen zeigt, hat sie eine besondere Aufmerksamkeit erfahren. Eine Aufmerksamkeit, welche Deinen Beinen einen außerordentlichen Auftritt verschafft- sie also lang vorbereitet exklusiv in Szene setzt. Vielleicht auch ein Geheimnis ihrer besonderen erotischen Wirkung?
Ein Strumpfhosen- Strickautomat hat keine Zeit, auf's Detail zu achten :-)... .
 
Die Fotografien wurden in den 30 er- Jahren in den ROGO- Werken Oberlungwitz aufgenommen.
Quelle: Frohwein, E.:Die Romantik des Strumpfes, 1936

 

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