Es ist WGT 2013 ..

By agnahtstrumpf_admin / On May.20.2013 / In Festivals / Width 0 Comments

WGT 2013 Strassenbahn 31

Der letzte Tag des Wave - Gotik - Treffens 2013 ist angebrochen…

Leipzig hat sich wieder mal mächtig ins Zeug gelegt, um der zum bekannten Datum anreisenden internationalen Gästeschaar mit beneidenswerter Gastfreundschaft zu begegnen. Die meisten Leipziger nehmen es gelassen, wenn die 20.000 schwarzbunt daherkommenden Besucherinnen und Besucher des Treffens die Stadt in allen Ecken und Winkeln bevölkern. Man muß es jedes Jahr wiederholen - diese Toleranz ist in Leipzig selbstverständlich, anderenorts wohl eher nicht anzutreffen. Die einzigen Leipziger, die damit ihre Probleme haben, sind wohl die Neuzuzüge ;-)

Die Presse beißt in einer Art selbst auferlegten Zwang das Thema WGT an und veröffentlich zum Teil langweilige Berichte (Spiegel Online). Fotostrecken präsentieren die scheinbar spektakulärsten Outfits, welche wiederum Kommentatoren dazu animiert, wissend weise Worte zu Kommerzialisierung und Schwarzem Karneval abzugeben. Allerlei Senftöpfe tuen sich auf, aus deren Inhalt sich Berufene bedienen, um ihren qualifizierten Senf breit zu schmieren. So ein pubertärer Beitragsschnipsel eines Journalisten (!!!) auf Twitter:

"Wenn sich der Duft von Patschuli mit dem Schweißgeruch billiger Latex Kostüme mischt, ist mit Sicherheit #WGT in Leipzig". Da kennt sich aber Jemand aus *gähn* Dies animiert mich selbst zum Lächeln und ich denke mir, na der feine Herr hat wohl kein Erfahrung damit und verwechselt Latex mit Lackbekleidung?! Dann sollte er es besser damit halten: "Wenn man keine Ahnung hat - einfach mal die Klappe halten!". Oder eben den Unterschied ansehen, ertasten... aber das ist ja was Böses - huuuuuuu.

Wie auch immer, das Treffen an sich verläuft entspannt und ruhig. Die Besucher nehmen weder an billigen Latexkostümen, noch an halbnackten Menschen Anstoß. Leben und Leben lassen ist die Devise und so findet auch ein gewisser Noctulus jedes Jahr wieder seine Fangemeinde :-). Bewegender Auftritt gleich zum Start des WGT 2013: Stefan Ackermann, der Frontmann von DAS ICH stand nach der Genesung von sieben Gehirnschlägen live vor großem Publikum. Ein überaus erfrischender Augenblick, nach solch einem Weg. Stefan Ackermann auf der Bühne präsent und mit alter, unveränderter Stimme am Mikro. Erfreulich, erfreulich!

Reibungslos läuft auch das WGT nicht ab und klitzekleine Aktionen, deren Sinn sich nicht erschließen, bereichern das Treffen. Gestern im Volkspalast beim nachmittäglichen Konzert des Schweden HENRIC DE LA COUR bekam der Name Einlaß eine ganz neue Bedeutung: Ein/lass/nach/dem/anderen - Herein. Die Musik lief schon, als man gaaaanz langsam die Wartenden einließ, zunächst Einen nach dem Anderen, um dann nach 10 min doch die zweite Tür zu öffnen. Kein Beinruch, doch auch nicht erfreulich. Zumal sich einen ähnliche Aktion in gleicher Location weniger Stunden später zu KARIN PARK nochmals abspielte. Nur, das sich die Wartenden vor verschlossenen Türen gedulden mussten, ohne den Grund dafür nachvollziehen zu können. Nicht dramatisch, bleiben doch Alle gewohnt ruhig und geduldig. Das Konzert der Schwedin KARIN PARK entschädigte vollends dafür. Ein Wort dazu: großartig! Obwohl die Künstlerin an sich sicher über das Booking zum WGT erstaunt war… naja, ich kann mir denken, welcher Leipziger für die Buchung verantwortlich zeichnet - doch keine Namen… So gelingt eine wunderbare Mischung von Künstlern zum WGT, die nicht immer das Schwarzklischee erfüllen und vielmehr eine gut aufgenommene Bereicherung darstellen. Daumen hoch und "weiter bitte so!" Ein Lob auch dem Gesamtprogramm, das die Veranstalter zusammen mit Leipziger Einrichtungen auf die Beine gestellt haben. Konzerte in zig Locations, Museen, Ausstellungen, Lesungen, Kinovorführungen, Wagner - Opern, klassische Musik und und und. Und natürlich Freifahrt mit allen Öffentlichen Verkehrsmitteln mit einer eigenen WGT - Strassenbahnsonderlinie.

Das relativiert auch die alljährliche Maulerei über zu hohe Eintrittspreise… wer aufmerksam hinsieht, der kann die vielen, vielen fleissigen Helferlei sehen, die dafür sorgen, dass wir ein wunderbares Wave - Gotik - Treffen genießen können. Das kostet nunmal Geld. Geld, Geld, Geld. Auch aus den Reihen der breit gefächerten Gothicszene flammt die Diskussion um eine Kommerzialisierung des Treffens in steter Regelmäßigkeit heftig auf, begleitet vom Klagen um das stattfindende Schaulaufen, daß nix mehr mit dem ursprünglichen Ansinnen der Gothics zu tun hat. Die alte Zeit wird als Massstab genommen, um die Veränderungen der Szene aufzuzeigen, deren Auffächerung in zig Stilrichtungen und Kleidungsstile. Das kann man als Veränderung zu Schlechten ansehen, kann es jedoch ebenso als Fakt anerkennen, der sie Szene überleben, stets neue Einflüsse in die Szene schwappen ließ. Ich finde auch nicht alles toll, was da heute unter dem Mantel "Gothic" versammelt wird. Doch eine Szene in der "Urform" hätte durch das Braten im eigenen Saft niemals so lange überlebt, da bin ich mir fast sicher.

Es ist wie im Leben - die Alten verlieren an Einfluss - die Jüngeren gestalten aus dem Vorhandenen Neues. Klar hat das Wave - Gotik -Treffen seine Macken und Eigenheiten, die sind bekannt und auf diese kann man sich einstellen oder auch nicht. Es gibt andere Festivals und es gibt Festivals, welche an anderem Ort genau so Kommerzialisieren und die gleiche Plattform für Schaulaufen bieten. Schön ist es, das WGT. Danke, Danke lieber Leipziger und Leipzigerinnen, vielen Dank Taxifahrer, danke Security, grosses Danke an die Strassenbahnfahrer für die sichere Fahrt durch die Nacht und die 24h Versorgung ;-)

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